Kein Raucher raucht freiwillig.
Das ist eine Behauptung von mir, die bei fast allen Rauchern auf Widerspruch stößt. Und die trotzigen Raucher, die mir bisher Recht gaben, haben entweder zynisch geantwortet mit “Stimmt!” und sich sofort darauf grinsend eine angesteckt oder wollten mir in ellenlangen Ausholungen ihre Gehirnwäsche entweder erkären oder neu verpassen. Ich gebe zu, dass ich anfangs meines neuen Lebens für Argumentationen von Rauchern diesbezüglich ziemlich empfänglich war. Heutzutage kann ich über solche sturre unverbesserliche Raucher nur still lächeln.
Da ich für mich in Anspruch nehme die Nikotinfalle mit Hilfe von Allen Carr ebenfalls durchschaut zu haben, lebe ich jeden Tag mit der Gewissheit nie wieder ein Raucher sein zu müssen. Eines der größten Probleme bei den meisten Rauchern ist, dass sie ihre Drogensucht bagatellisieren und sich der angelegten Ketten einfach nicht bewusst sind oder nicht bewusst sein wollen. Sie verharmlosen das Rauchen soweit, dass es für manche sogar zu einem Hobby, zu einem Zeitvertreib geworden ist. Sie kaufen sich tolle vergoldete Zigarettenetuis, edel verarbeitetete amerikanische Sturmfeuerzeuge mit Lebensgarantie und sind dermassen stolz auf derlei Utensillien, dass ich mir heute selber gerne immer noch in den Arsch treten würde, wenn ich könnte, weil ich nämlich damals zu meinen Raucherzeiten ebenfalls dieses Handeln an den Tag gelegt habe. Unverständlich. Jetzt schüttle ich nur noch den Kopf über mein früheres Ich und über alle Raucher, die sich als Hobby “Rauchen” auf ihre Fahnen geschrieben haben.
Die interessanteste Raucherspezies für mich sind inzwischen gar nicht mehr die unverbesserlichen sturren pessimistischen Dauerquarzer, die an allem und jedem etwas auszusetzen haben, sondern und jetzt halte dich bitte fest: Es sind die vom Rauchen überzeugten und lebenslustigen Raucher. Diese Spezies vermittelt Nichtrauchern und vor allem Rauchern folgende Botschaft:
“Ich stehe voll und ganz hinter meiner Drogensucht. Ich akzeptiere sie, ich genieße das Leben mit jedem Atemzug, ich rauche absolut freiwillig, weil ich mich dazu entschlossen habe, nicht auf diesen unglaublichen Genuss verzichten zu wollen. Rauchen ist die tollste Nebensache der Welt, ich kann mir gar nicht vorstellen, wieso ich nicht schon früher darauf gekommen bin. Ich rauche gern!”
Notiz am Rande: Der letzte Satz übrigens war auch der Slogan einer der bekanntesten Zigarettenmarken dessen Namen ich gar nicht nennen möchte, als es noch für Tabakhersteller erlaubt war im Fernsehen, Zeitschriften und auf Billboards für Zigaretten zu werben.
Weiter im Text: Diese lebenslustigen überzeugten Raucher sind eine der gefährlichsten Stolpersteine für nicht gefestigte Ex-Raucher, die erst seit kurzem ihre Drogensucht aufgegeben haben und entdecken wie lebenswert es ist ein Leben ohne Rauch zu führen. Wieso ist das so?
Diese Rauchergattung verknüpft ihre ohnehin naturelle Frohnatur so geschickt mit ihrer Drogensucht, dass zweifelnde Ex-Raucher sehr oft zur Einsicht kommen, sie hätten damals als Raucher gar kein sooo schlechtes Leben geführt und dass sie das Rauchen eigentlich hätten ruhig weiter betreiben können. Wenn derselbe Ex-Raucher auch noch dem vermeintlichen Zigarettengenuß hinterhertrauert, ist es nur eine Frage der Zeit wann einer dieser überzeugten lebensfrohen Raucher den Auslöser liefert für den sich quälenden Ex-Raucher mit dem Rauchen wieder anzufangen.
Verstehe mich bitte jetzt nicht falsch, vor allem nicht wenn du eine oder einer dieser frohnatürlichen Raucher/innen bist. Ich habe absolut nichts gegen diese Menschen. Diese Menschen sind in der Tat eine Bereicherung für jeden. Mit ihrem Witz, Charme und ihren Lebensmut nehmen sie jeden für sich ein und sie sollten in keiner Runde fehlen. Wenn du einen dieser Menschen in deinem näheren oder entfernteren Freundes- und Bekanntenkreis hast, so kannst du dich geehrt fühlen. Bedenke aber folgendes: Diese Menschen sind von Natur aus echte Frohnaturen, sie haben es entweder in ihrem genetischen Code zum Teil bei der Geburt mitbekommen oder haben sich diese positive Lebenseinstellung irgendwann angeeignet. Diese Raucher sind aber nicht so weil sie rauchen, sondern weil das ihr Charakter- und Wesenszug ist. Selbst wenn sie nicht rauchen würden, wären sie genauso. Das Rauchen trägt nicht im Geringsten dazu bei, dass sich diese Menschen besser und entspannter fühlen und deshalb eine positivere Grundhaltung einnehmen. Sie verbindet mit den unverbesserlichen sturren pessimistischen Dauerquarzern dennoch ein ganz wichtiger Punkt: sie müssen ebenfalls rauchen.Das ist nun mal so bei Abhängigkeiten. Suchtmachende Stoffe erzeugen immer ein noch größeres Verlangen egal wieviel man davon bereits zu sich genommen hat. Bei Zigaretten ist das zum Teil ebenso. Probiere doch einfach mal deinen gesamten Tageskonsum ohne Pause zu rauchen. Also alle 20, 30 oder 40 Zigaretten nacheinander. Du wirst das höchstwahrscheinlich nicht schaffen. Entweder aus Angst um die Gesundheit oder weil du husten musst oder aus Geiz oder aus Zeitmangel oder aus irgendeinem anderen trifftigen Grund. Wenn man sich eine Überdosis Heroin in die Vene spritzt ist man innerhalb weniger Minuten tot. Raucht man aber das Tageskontingent auf einmal, lebt man immer noch. Auch wenn dir die Kippen dann für einen oder zwei Tage zum Hals raushängen, wirst du dir wenn die Nikotinflut abebbt noch mal eine anstecken. Nimm es endlich zur Kenntnis: Nikotin ist eine Droge.
Egal ob du eine Frohnatur bist oder nicht, die kleine Nikotinbestie nutzt auch diesen Umstand gekonnt aus um dich weiter in der Falle zappeln zu lassen. Lies folgenden Text irgendwann einmal als Nichtraucher und vergleiche ihn mit dem jetzigen oberen Text als Raucher.
Ich stehe voll und ganz hinter meiner Frohnatur. Ich akzeptiere sie, ich genieße das Leben mit jedem Atemzug, ich blödele absolut freiwillig, weil ich mich dazu entschlossen habe, nicht auf diesen unglaublichen Genuss verzichten zu wollen. Rumwitzeln ist die tollste Nebensache der Welt, ich kann mir gar nicht vorstellen, wieso ich nicht schon früher darauf gekommen bin. Ich lebe gern!”
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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren
bildquelle(n): wdr.de
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