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TAG 015 – Der rauchende Einstein

“Meine Behauptungen hören sich vielleicht etwas übertrieben an. Aber bevor Sie sie als nichtig abtun, sollten wir uns die Gegenbehauptungen ansehen – zum Beispiel, in welcher Weise Ihnen Zigaretten angeblich helfen. Entspannung und Stress sind etwas völlig Gegensätzliches. Ebenso wie Langeweile und Konzentration. Angenommen, ich würde Ihnen eine Wunderpille verkaufen, die genau das Gegenteil einer völlig identischen Pille bewirkt, die Sie eine Stunde zuvor eingenommen haben – wären Sie so dumm, diese zu kaufen?” Allen Carr

“Immer wieder dasselbe zu tun und dabei unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten, ist Schwachsinn.” Albert Einstein

An dieser Stelle muss ich wieder auf den Punkt eingehen, denn ich schon einige Male angesprochen habe und die Frage, die sich jeder Raucher irgendwann einmal stellt und die in der Gesellschaft immer wieder für verbalen Sprengstoff sorgt:

Bin ich als Raucher dumm?

Die Antwort lautet: JA.

Natürlich ernte ich von Seiten der Raucher über diese Antwort immer wieder Gegenangriffe, Häme und Beleidigungen. Dabei haben die Raucher die Frage gar nicht verstanden oder sie nicht verstehen wollen. Sie lautete, ich wiederhole:

Bin ich als Raucher dumm?

Sei frech, zeig der Nikotinbestie deine Einstein-Zunge!

Ich habe nicht gefragt: Sind Raucher dumm? Denn darauf kann es nur eine Antwort geben. Natürlich: NEIN. Raucher sind nicht dumm, denn selbst Einstein, der ja bekanntlich als der klügste je lebende Mensch angesehen wird, war selber Pfeiferaucher. Sigmund Freud hat den Großteil seiner Psychoanalyse unter Einfluß von Kokain geschrieben und erforscht. Wie kann es also sein, dass intelligente Menschen doch nicht die Falle durchschauen, aber die Relativitätstheorie erfinden oder einen neuen Wissenschaftszweig in der Psychologie gründen?
Da wir wissen, dass der Mensch ein Multi-Roleplay-Wesen ist, d. h. also die Fähigkeit besitzt in sämtlichen verschiedenen Situationen und Interaktionen mit anderen Menschen und den damit verbundenen Beziehungen, zu agieren, ist eine Absolutisierung im Hinblick auf seine Intelligenz gar nicht möglich. Jeder Mensch spielt täglich dutzende von Rollen:

  • eine Familienrolle wie z.B. Mutter, Vater, Sohn, Tochter, Schwester, Bruder, Großmutter und -vater, Onkel, Tante etc.
  • eine Berufsrolle wie z.B. Vorgesetzte/r, Angestellte/r, Arbeitskollege/-in, Fachkraft etc.
  • darin eine berufsspezifische Rolle wie z.B. Friseur/-in, Ingenieur/-in, Lehrer/-in, Verkäufer/-in etc.
  • eine soziale Rolle wie z.B. Freund/-in, Ehepartner/-in, Lebensgefährte/-in, Helfer/-in etc.
  • eine Freizeitrolle wie z.B. Vereinsmitglied/-in, Kitesurfer/-in, Trekkie, Fahrradfahrer/-in etc.
  • eine Neigungsrolle wie z.B. Weintrinker/-in, Spätzleesser/-in, Leser/-in und darunter eben auch Raucher/-in

mit all ihren Rollenüberschneidungen und -konflikten. Man könnte diese Liste ellenlang weiterführen, ausarbeiten, erweitern, verkleinern, neu ordnen und wieder alles über Bord werfen. Insofern kann ein Mensch nur relativ innerhalb einer bestimmten Rolle dumm handeln, eine generelle Aussage über seine Intelligenz ist anhand aller Rollen gar nicht möglich. Umfragen oder Statistiken der Kompomentenbeziehung Raucher <=> Intelligenz gibt es gar nicht, sind mir nicht bekannt und eine derartige Studie wäre auch abwägig.

Aber … wieso rauchen nun bestimmte Menschen und bestimmte eben nicht, unabhängig von ihrem Intelligenz-, Emotional- und/oder Sozialquotienten?

Weil die Nikotinfalle derart einfach gestrickt ist, dass die Unterschätzung ihrer Genialität jeden hineingeraten lassen kann. Selbst Einstein.

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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren
bildquelle(n): einsteingalerie.de

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