Nun … es ist ja nicht wahr, dass es sich beim Rauchen um eine Beschäftigungstherapie für die Hände handelt. Auch glaube ich nicht an die alleserklärende Sigmund Freudsche Psychoanalyse, die sämtliches Verhalten des Menschen auf die Vorgänge des prägenden Embryonal- und Säuglingszustands und des daraus entstehenden Sexualwesens Mensch zurückführt. Das Ziehen an der Zigarette würde Kindheitserinnerungen des Saugens an der Mutterbrust entsprechen. Ich will hier nicht den Erfolg des gesamten Freudschen Lebenswerks in Frage stellen, aber nicht alles kann durch seine Art der Psychoanalyse erklärt und verstanden werden. Die Sache mit der Nikotinsucht ist viel einfacher und das tiefenpsychologische Auseinandernehmen des Rauchers ist gar nicht nötig um die Sucht zu verstehen.
Die neuere Gehirnforschung hat Eindeutiges zu Tage gefördert.
Die suchtmachenden Stoffe in einer Zigarette geraten in Sekundenschnelle in Gehirnregionen vor, die für das Lust- und Belohnungsempfinden zuständig sind. Das und die allzeit vorhandene Gehirnwäsche sorgen dafür, dass ein Raucher immer wieder zur Zigarette greift.
Eine der besten und umfassendsten Erklärungen zur Abhängigkeit (Drogensucht) findest du auf onmeda.de. Ich gebe hier nur Auszüge der 8-seitigen Abhandlung wieder:
- Allgemeines
“Abhängigkeit (Sucht) bezeichnet das zwanghafte Bedürfnis und das Angewiesensein auf eine bestimmte Substanz, wobei zwischen psychischer und körperlicher Abhängigkeit unterschieden wird. Eine Abhängigkeit kann durch unterschiedliche Drogen ausgelöst werden – an erster Stelle rangiert in Deutschland die Alkoholabhängigkeit mit etwa 1,7 Mio. Betroffenen. Weitere suchtfördernde Drogen sind Psychopharmaka wie Barbiturate, Opiate (Heroin, Methadon, Opium), Kokain, Cannabis/Marihuana, Halluzinogene (z.B. LSD), Amphetamine (z.B. Speed), organische Lösungsmittel (Schnüffelsucht) und moderne Designerdrogen (z.B. Ecstasy). …” mehr - Definition
“Der ältere Begriff Sucht wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den Begriff der Abhängigkeit ersetzt. Dabei wird zwischen der psychischen Abhängigkeit, d.h. dem übermächtigen und unwiderstehlichen Verlangen, eine bestimmte Substanz wieder einzunehmen, und körperlicher Abhängigkeit, die durch Dosissteigerung und das Auftreten von Entzugserscheinungen gekennzeichnet ist, unterschieden. Insgesamt handelt es sich bei Abhängigkeit also um ein zwanghaftes Bedürfnis und Angewiesensein auf bestimmte Substanzen. …” mehr - Ursachen
“Eine Abhängigkeit (Sucht) entwickelt sich durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Zum einen spielt die Art der Droge eine tragende Rolle, andererseits gibt es auch Personen, die anfälliger für eine Abhängigkeit sind. Letztendlich kann auch ein bestimmtes soziales Umfeld die Entwicklung einer Sucht fördern. …”mehr - Symptome
“Abhängigkeit (Sucht) äußert sich durch vielfältige körperliche und psychische Störungen. Psychische Störungen sind häufig Interessenverlust, Stimmungsschwankungen, Gleichgültigkeit, ängstliche Unruhe, Spannung usw. Körperliche Symptome können Schwitzen, Übelkeit, Gewichtsverlust, Schlafstörungen sowie neurologische Ausfälle sein. …” mehr - Therapie
“Generelle Behandlungsziele einer Abhängigkeit (Sucht) sind es, den Betroffenen in seiner Persönlichkeit zu stabilisieren, ihn zu rehabilitieren und vor allem zu reintegrieren. Entscheidend ist dabei, den Abhängigen zu motivieren und Rückfällen vorzubeugen. …” mehr - Verlauf
“Von den Drogen- und Medikamentenabhängigen schafft nur ein geringer Prozentsatz den Selbstentzug. … Abhängiges Verhalten ist durch einen Teufelskreis gekennzeichnet: Durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten wird eine unbefriedigende und als unerträglich erlebte Situation scheinbar verbessert. …” mehr - Vorbeugen
“Der einzige Weg, einer Drogenabhängigkeit verlässlich vorzubeugen ist, keine Drogen zu konsumieren. …” mehr
Was mich aber am meisten beunruhigt an diesem Bericht, ist die Tatsache, dass die Nikotinabhängigkeit überhaupt nicht erwähnt wird. Zwar wird Rauchen im Link erwähnt, aber einem ungeübten Leserauge fällt das gar nicht auf. Tatsache ist: in Deutschland gibt es mehr als 18 Millionen Raucher, doch die 1,7 Millionen Alkoholiker werden als Spitzenreiter aufgeführt. Schätzungen und Statistiken sagen aus, dass jährlich zwischen 70.000 und 140.00 Menschen an Folgen des Nikotinkonsums zugrunde gehen, bei Alkohol sind es gerade mal ca. 50.000 Menschen (mehr Zahlen auf cannabislegal.de). Auch wird in den suchtfördernden Drogen Nikotin gar nicht erwähnt. Obwohl ich den Bericht für lesenswert und informativ halte, tragen die Mängel hinsichtlich der von mir erwähnten Punkte genauso ihren Teil zur Gehirnwäsche bei einem Raucher bei.
Sterben in Deutschland wirklich 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens?
Eine sehr gute Frage. Angesichts des Welttaktgebers und der hochsummigen Totenzählung infolge Krebs, Herz-/Kreislauf- und Atemwegserkrankungen kann ich nicht verstehen wie sich Raucher die Welt noch schönrauchen können?
Ein Raucher liest den Bericht und denkt sich: “Aha, Rauchen wird gar nicht als Sucht genannt!”, “Nikotin ist ja gar nicht die gefährlichste Droge der Welt!” Das halte ich aber für fatal. Der Zigaretten- und Tabakkonsum ist verantwortlich für die meisten Toten, die unser Planet in seiner kurzen Geschichte und des Daseins des Menschen auf ihm erlebt hat. An dieser Tatsache ist nun wirklich gar nichts witzig.
Als lobenswert sind die Anmerkungen zur Therapie und Vorbeugung zu nennen. Der einzige Weg, einer Drogenabhängigkeit verlässlich vorzubeugen ist, keine Drogen zu konsumieren.
Doch, all das hier weiß der Raucher bereits. Ich erzähle hier nichts Neues.
Also warum raucht der Raucher trotz dieser erschreckenden Erkenntnisse dennoch weiter?
Bleib in diesem Blog dabei und du wirst es erfahren.
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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren | onmeda.de
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