Als ich aufgehört habe zu rauchen, habe ich gemerkt, dass ich viel gelassener und konzentrierter geworden bin, bei allem was ich tue. Das soll nicht heißen, wenn es vom Himmel blaue Frösche regnet, das ich wie ein Thao-Mönch in Meditationsstellung verharre und mich erschlagen lasse. Die nervlichen Belastungen des Alltags egal ob im Beruf, Familien- und Privatleben oder Freizeit sind immer noch die Gleichen. Ich gehe nur viel besser damit um, als zu Zeiten meines Raucherdaseins.
Früher bin ich wegen jeder poppligen Kleinigkeit aus der Haut gefahren, habe mich über alles aufgeregt und mir über jede Begebenheit im Leben große Gedanken gemacht. Heute gehe ich an die Anforderungen, die an mich durch das alltägliche Leben gestellt werden, viel gelassener und mit einer höheren Aufmerksamkeitskompetenz heran.
Zwar bin ich auch heute noch etwas hyperaktiv und hibbelig, aber ich war das vor meiner ersten Zigarette ebenfalls. Wenn du also erwartest, dass du nach deiner letzten Zigarette vom Nikotinjunkie bis zum Dalai-Lama in 3,5 Sekunden rast, dann irrst du dich gewaltig. Wenn du weiterhin ein wenig nervös bist, dann ist das bei dir, sowie bei vielen Menschen, ein natürlicher charakterlicher Wesenszug und hat nichts damit zu tun, dass du plötzlich Nichtraucher geworden bist. Es ist weder etwas Schlimmes noch Krankhaftes Nervosität zu empfinden. Viele echte Nichtraucher empfinden ebenfalls Tage der Unausgeglichenheit und der Mißstimmung, greifen aber nicht deshalb sofort zum Glimmstengel und werden drogensüchtig.
Die Zigarette aber verleiht dir nach dem Beseitigen der Entzugserscheinungen eine kurze Phase der Ruhe und Entspannung. Das will ich auch gar nicht leugnen. Bedenke aber, dass diese Ruhe und Entpannung alle 30-60 Minuten nachdem der Nikotinspiegel im Blutkreislauf gesunken ist, von der “kleinen Nikotinbestie” hinweggefegt wird und du wieder eine Zigarette rauchen muss um das kurze Glück der Enstpannung zu erlangen. Wenn du dann wieder eine rauchst, versorgst du den Körper mit neuem Gift, das beim Abbau im Körper nach entweder der gleichen Menge oder mehr verlangt. Das sind typische Anzeichen einer Drogensucht und es gibt in der Medizin ganze Herrscharen von Doktoren, Fachärzten und Spezialisten, die sich zur Berufsaufgabe gemacht haben, diese Menschen zu heilen.

Raucher öffnen die Büchse der Pandora. Sie wieder zu schließen erweist sich dann als eine unmögliche Herausforderung.
Machen wir ein kleines gedankliches Zukunftsspielchen: Die Anforderungen an dich und der damit verbundene Stress im Alltag steigen, entweder durch neue berufliche Aufgaben, schreienden Neuzugang in der Familie, ehrenamtliche Tätigkeit im Fußballverein oder das Suchen nach dem 10.000-sten Puzzleteilchen. Du bist immer öfter gestresst und trachtest nach Linderung. Durch eine Zigarette entspannst du dich, sagen wir mal 60 Minuten. In diesen 60 Minuten passieren aber wieder viele Dinge, die dich aus dem Gleichgewicht bringen und du rauchst noch eine bevor der Nikotinspiegel sein Minimum erreicht hat. Dann erzeugt die “kleine Bestie” im Laufe der Zeit schon nach 50 Minuten den Entzugsstress. Dann rauchst du noch eine um dich wieder zu entspannen, bist aber immer nur eine geraume Zeit befriedigt. Das Ganze geht soweit, dass sich Kettenraucher alle 10 Minuten das trügerische Gefühl des Genusses und der Entspannung gönnen wollen, obwohl der Nikotinpegel nicht einmal gesunken ist um überhaupt Entzugserscheinungen auslösen zu können. Nur die Tatsache, dass du nicht jederzeit und überall rauchen darfst hält dich also davon ab, ein Kettenraucher zu werden. Raucher, die sich diesen “zeitlichen Luxus” gönnen können, sind nur noch am Quarzen.
Jetzt geh mal in dich und frage dich ganz ehrlich: Will ich solch ein Leben in Zukunft führen?
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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren
bildquelle(n): büchse-der-pandora.de
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