Im Grunde genommen ist die Angst es tatsächlich zu schaffen mit dem Rauchen aufzuhören, der einzige Grund, warum so viele Raucher erst gar nicht den Versuch starten wollen oder einen gestarteten Versuch abbrechen oder bei einem erfolgreichen Versuch wieder rückfällig werden.
Also mach dir zuerst bewusst, dass du Angst hast davor aufzuhören, weil du mit dem Rauchen deiner letzten Zigarette eine unglaubliche Leere erwartest, schmerzhafte Entzugserscheinungen, ständige gedankliche Qualen an ein erbrachtes Opfer etc. etc.
Es ist gar nicht schlimm diese Angst zu haben. Angst ist eines der mächtigsten Emotionen nicht nur bei uns Homo sapiens, sondern auch im Tierreich. Stell dir mal die Frage, wenn es den Angstreflex und den damit verbundenen Fluchtreflex nicht gegeben hätte, ob sich die Evolution jemals in diesen Bahnen ereignet hätte, wie sie es tat? Angst ist ein tagtäglicher Begleiter des menschlichen Daseins und nichts unnatürliches oder verwerfendes. Wir haben Existenzängste, Todesangst, Angst einen geliebten Menschen zu verlieren, Angst allein zu sein, Angst vor Spinnen, Insekten, Schlangen, Angst vor Krieg, Körperverletzung, Angst, dass unser Lieblingsfußballverein die Meisterschaft nicht holt … Angst zu haben erhöht deinen Wachsamkeistzustand, läßt dich Dinge klarer sehen und dich bei vermeintlichen Gefahren früher reagieren. Eine gesunde Dosis Angst ist völlig zulässig.

Wer sich die Angst vor dem Aufhören bewußt macht, hat der Angst sein stärkstes Druckmittel genommen.
Wenn diese Angst aber extrem wird und dich beim Bewältigen deines Alltags lähmt, dann spricht man von krankhaften Angstzwängen. Das Phänomen ist bekannt bei Dauerknackis. Wenn ein Straftäter für seine Handlung eine unglaublich lange Zeit im Gefängnis einsitzen muss und er sagen wir mal nach 10, 15, 20 Jahren und mehr seine Strafe abgebüsst hat und endlich wieder die langersehnte Freiheit zurückgewonnen hat, passiert es oft, dass Straftäter sofort wieder rückfällig werden um in die “sichere Obhut des geregelten Gefängnisalltags” zurückzukehren.
Nun bist du zwar kein Dauerknacki, begehst auch mit dem Rauchen keine Straftat, wenigstens nicht in dem Sinne, dass du gegen ein geltendes Gesetz verstösst, aber der Angstmechanismus, der hier zum Einsatz kommt ist der gleiche. Raucher sitzen in ihrem Gefängnis jahrelang und alleine die Aussicht auf ein nikotinfreies Leben lässt sie sofort wieder eine Zigarette anzünden. Ist das nicht verrückt?
Bis ich endlich aufgehört habe zu rauchen, habe ich sämtliche Ausreden gefunden, die man sich nur denken kann. Ich habe mehrere Male das Buch “Endlich Nichtraucher” beiseite gelegt und es nicht zu Ende gelesen, weil ich wusste, dass ich aufhören werde zu rauchen. Das Gleiche habe ich auch in meinem Familen- und Bekanntenkreis festgestellt. Wenn du als Nichtraucher jemanden dazu bewegen willst über seine Nikotinsucht nachzudenken, wirst du in nicht seltenen Fällen sofort eine blockende Reaktion bekommen. Egal wie charmant, witzig, lustig, nervig, intelligent oder dumm die Ausrede ist, die man sich zu Recht legt, die Angst vor der vermeintlichen Leere lässt jeden Raucher unglaubliche gedankliche Prozesse durchlaufen, die die Illusion des Genusses verstärken und das Täuschungsmanöver einfach nicht sichtlich zu Tage kommen lassen. Der Erfindungsreichtum des Rauchers in dieser Hinsicht ist zuweilen derart perfekt und intelligent einstudiert, dass ich mich sehr oft gefragt habe, warum dieser oder jener Raucher eigentlich nicht Astrophysiker, Mathematiker, Ingenieur, Arzt oder wahnsinnig geworden ist.
Erkenne also deine Angst und akzeptiere sie. Lass aber nicht zu, dass sie dir einredet du würdest als Nichtraucher unglücklicher werden. Die “kleine Bestie” weiß nämlich, dass wenn du diese Angst besiegst indem du sie akzeptierst und mit ihr lernst zu leben, du ihr das stärkste Druckmittel aus den Händen nimmst. Je nach Sichtweise die gute oder schlechte Nachricht ist: das Ganze funktioniert leider nicht, solange du in dein Gefängnis zurückwillst. Erst wenn du für immer aufhörst zu rauchen, wirst du merken, dass diese Angst vor der vermeintlichen Leere nur eine perfekte Gehirnwäsche war. Die Einsicht aber, dass es so ist, kannst du schon jetzt vollbringen. Mach also deinen Kopf frei und lass dich nicht immer wieder an der Nase rumführen.
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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren
bildquelle(n): diepresse.com / deutsche kinemathek
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