Jeder Raucher fängt an zu rauchen, weil er in einem schwachen und vielleicht neugierigen Moment überrumpelt worden ist. Die ersten Wochen kämpfen werdende Raucher regelrecht darum Raucher zu werden, obwohl ihnen der Körper, die Gesellschaft, das eigene Gewissen bei jeder Zigarette sagt: “Vergifte dich nicht!”.
Schließlich ergibt sich der Körper irgendwann und akzeptiert die dauernde Vergiftung. Dieser Augenblick sollte eigentlich jedem werdenden Raucher zu denken geben. Nun ist der Organismus soweit, dass er immun geworden ist gegen die anfänglichen Symptome sich mit dem tödlichsten Pflanzenschutzmittel dieses Planeten zu vergiften. Jugendliche Raucher bilden sich an dieser Stelle ein, sie würden das Rauchen genießen. Aus diesem Grund ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Jugendlicher der gerade mal seit einigen Jahren raucht mit dem Rauchen aufhört, so gering wie die Wahrscheinlichkeit im Lotto einen Millionengewinn zu erzielen. Vor allem wenn man gar kein Lotto spielt.
Nun setzt der Zustand ein, denn ich als Konsumautomatismus bezeichne. Der Raucher merkt gar nicht mehr, dass er raucht und Teil einer Glückslotterie geworden ist, bei der jede Zigarette die Killerzigarette werden kann oder eben auch nicht. Der Raucher ergibt sich einfach der Nikotinbestie vollends, verliert jeglichen Kampf- und Siegeswillen, jeglichen Ehrgeiz. Er sieht das Ganze als einen Schicksalsschlag, genetische Prägung oder nur als eine einfache Gewohnheit an. Sollte aber doch einmal ein Zweifel aufkeimen, vernichtet die “kleine Nikotinbestie” diesen sofort mit einer paraten Ausrede oder einer Situation, die der Raucher so eng mit dem Rauchen verknüpft hat, dass er gar nicht mehr anders reagieren kann. Diese klassische Konditionierung hat Pawlow in seinem Hundeexperiment eindeutig nachgewiesen.
Klassische Konditionierung ist eine von dem russischen Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow begründete behavioristische Lerntheorie, die besagt, dass einem natürlichen, meist angeborenen, sogenannten unbedingten Reflex durch Lernen ein neuer, bedingter Reflex hinzugefügt werden kann: Gegeben sei ein unbedingter (auch: „unkonditionaler“) Reiz (unconditional stimulus, kurz US), der als Reflex eine unbedingte (auch: „unkonditionale“) Reaktion (UR) auslöst. Bietet man nun im Zusammenhang mit dem US mehrfach einen bislang neutralen Reiz (NS) dar (Kopplung), so wird dieser zum bedingten Reiz (CS). Er löst nun ebenfalls eine Reflexreaktion (die bedingte Reaktion CR) aus, die der unbedingten Reaktion UR meist sehr ähnlich ist.
Dieser Reflexautomatismus zwingt den Raucher jedes Mal zur Zigarette zu greifen ohne überhaupt sich des auslösenden Moments bewusst zu sein. Nun gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen dem Menschen und dem Pawlowschen Hund. Tiere handeln rein instinktiv, sie haben keine oder nur geringe Fähigkeiten bewusst Fehler zu erkennen und das Verhalten selbst anzupassen. Du kannst das aber. Gott oder die evolutionäre Natur hat dich mit dieser unglaublichen Begabung ausgestattet. Also nutze diese Begabung und lass sie nicht einfach so in den Weiten deines Gehirns ungenutzt brachliegen.
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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren
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