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TAG 046 – Nikotin = Volksdroge Nr. 1

“Nichtraucher müssen nicht nachts eine Tankstelle finden, wenn die Zigaretten zu Ende gehen. Bevor Sie in die Nikotinfalle getappt sind, mussten Sie das auch nicht. NIchtraucher sehen Raucher genauso, wie Sie einen Heroinabhängigen oder einen Alkoholiker sehen – als jemanden, dessen Leben von einer süchtig machenden Droge bestimmt wird. Nikotin wrid deshalb nicht als Droge eingestuft, weil es unter den Giften geführt wird. Unter den tödlich wirkenden und zu Abhängigkeit führenden Produkten ist es dasjenige, das weltweit am meisten verkauft wird und ganz legal an der Ladentheke erhältlich ist.” Allen Carr

Damals als Raucher war es für mich enorm wichtig zu jeder Zeit einen Vorrat an Zigaretten zu haben. Schon diese Tatsache allein reicht aus um Nikotin- und Heroinabhängige auf dieselbe Stufe stellen zu können. Wenn ich kurz vor dem Schlafen gehen die letzte Zigarette geraucht habe, bin ich nochmal aus dem Haus gegangen und habe mir am Zigarettenautomaten um die Ecke eine Schachtel für den nächsten Morgen besorgt. Der Gedanke ich könnte am nächsten Morgen aufwachen und hätte keine Zigarette zu meinen Morgenkaffee war mir einfach unerträglich. Natürlich hätte ich die Zigaretten auch am Morgen kaufen können, nur damals merkte ich einfach nicht wie stark die Nikotinsucht mein alltägliches Leben und meine Psyche beeinflusste. Wenn der Zigarettenautomat um die Ecke nicht meine Lieblingsmarke ausgespuckt hätte, wäre ich sämtliche Zigarettenuautomaten im Viertel abgelaufen, sämtliche Tankstellen bis ich nicht meine Schachtel Nikotinstängel sicher in meiner Hosentasche wähnte. Im schlimmsten Falle hätte ich mir eine andere Zigarettenmarke geholt.

Was erlaubt ist, gefällt nicht?Hier räume ich auch gleichzeitig mit dem Argument von Rauchern auf sie wären nicht drogensüchtig, weil einige behaupten, wenn es ihre Lieblingszigarettenmarke auf dem Markt infolge des Insolvenz eines Unternehmens nicht mehr geben würde, sie infolge dessen das Rauchen ganz sein lassen würden. So belügen sich Raucher selber um einen Vorwand zu haben sich jede Stunde nur ihre Lieblingszigarettenmarke anmachen zu dürfen. Wenn sie es schaffen einem Raucher weiß zu machen, dass selbst alte getrocknete und zerbröselte Schuhsohlen dieselbe Wirkung hätten wie Nikotin, würde dieser Raucher auch Schuhsohlen rauchen, Hauptsache man befriedigt die gehirnwaschende Nikotinbestie im eigenen Kopf. Meine Mutter und andere Nichtraucher in meiner Familie und Freundeskreis haben immer den Kopf geschüttelt über meinen Tick immer für den Morgen vorzusorgen. Raucher merken diesbezüglich nicht wie süchtig sie eigentlich sind, weil sie in einer funktionierenden Wirtschaft ihr Gift frei zu jeder Zeit und überall erhalten können. Problematisch wird es, wenn dies plötzlch nicht mehr der Fall ist, Stichwort Zigaretten als Zahlungsmittel in Krisen- und Kriegszeiten. Dann fangen Raucher an unruhig zu werden, stressen ihr Umfeld, haben Depressionen, sind jeden Tag schlecht gelaunt und haben überhaupt keinen Spaß mehr am Leben. Dies ist auch bei Rauchern zu beobachten die mit der falschen Methode wie z. B. der Willenskraft-Methode versuchen das Rauchen für immer zu beenden. Die traurige Wahrheit ist: Raucher merken erst, dass sie drogensüchtig sind, wenn sie das Rauchen für immer aufgeben müssen. Solange sie sich mit Nikotin versorgen können, ist die Welt in Ordnung.

“Die Statistik sagt, was Politiker in Sonntagsreden selten verkünden: An Heroin sterben in Deutschland immer weniger Menschen – an den Folgen von Alkohol und Zigaretten immer mehr. Und die Rückfallquoten bei Alkohol und Zigaretten liegen ebenfalls höher als beim Heroin. Deshalb sind es auch so verlässliche Steuereinnahmen. … Schalten wir um ins Gehirn und hören wir mal, was die Hormone so untereinander diskutieren. Gute Gefühle macht nicht Dopamin allein. Dopa ist aber der Kick, die Neugier, das “Raus in die Welt”. Serotonin ist sein gelassener Gegenspieler – zum Beispiel nach einem guten Essen, wo du nur denkst: Morgen verbessere ich die Welt wieder, heute Abend ist sie okay, wie sie ist. Serotonin bleibt zu Hause. …
Jede Zigarette schafft einen Dopa-Kick. Schnell ist man süchtig danach, und sobald die Zigarette wegfällt, schreit Dopa: “Ey, alle Hirnteile mal herhören, egal was ihr tut, es kann nichts so Wichtiges sein, bitte unterbrechen, wir brauchen eine Zigarette.” Da sagt Serotonin: “Mensch, Dopa, sei mal nicht so laut hier, du bist nicht alleine. Es gibt noch andere Wege zum Glück. Probier es zur Abwechslung doch mal mit Entspannungsübungen, mach mal Yoga, Atemarbeit oder Meditation.” Aber diese leise Stimme des Serotonins wird nicht gehört, weil Adrenalin bereits laut am Automaten rapppelt.
Fragst du einen Raucher, warum er raucht – was antwortet er? “Weil’s mir schmeckt!” Wer spricht da? Die Großhirnrinde! Warum? Weil die sprechen kann! Als Einzige. Die Großhirnrinde hat aber mit der Entscheidung nichts zu tun. Die fiel eine Etage tiefer bei den Hormonen. Der Verstand ist nicht die Regierung des Menschen. Mehr so der Regierungssprecher. Wie in der Politik erfährt der Regierungssprecher als Letzter, was beschlossen wurde, muss es aber nach außen hin rechtfertigen. Und der Sitz des Verstandes, unsere Großhirnrinde, ist nur deshalb so groß, damit wir auch für das bescheuertste Verhalten eine halbwegs plausible Entschuldigung zusammenzimmern können – im Nachhinein. Die echten Entscheidungen fallen wie in jedem Parlament woanders – aus den untersten Regionen machen die verschiedenen Lappen Lobbyarbeit. Hat die erste Zigarette wirklich geschmeckt?
Nein, wie jeder, der es einmal probiert hat, weiß: Du hast gehustet, gewürgt, dir war schwindlig. Dein ganzer Körper hat sich gewehrt gegen das Gift. Aber sobald der Dopaminregler verstellt ist, “entspannt” es – weil es den Entzug lindert. Rauchen ist deshalb unter Rauchern so beliebt, weil sie sich nach der Zigarette endlich für eine Weile so entspannt fühlen können wie früher als Nichtraucher.”
Treffender kann das “Glücksgefühl” beim Rauchen nicht beschrieben werden als es Dr. med. Eckart von Hirschhausen in seinem Buch Glück kommt selten allein1 tut.

Jetzt beantworte dir offen und ehrlich folgende Frage: Glaubst du tatsächlich, dass du als rauchender Mensch einen Heroinsüchtigen bemitleiden müsstest? Der Heroinsüchtige müsste dir genauso viel Mitleid entgegen bringen wie du ihm, wobei die Tatsache, dass es fast keinen Heroinabhängigen gibt, der nicht raucht, den Zweifel entstehen lässt ob Nikotin nicht doch gefährlicher ist als diese harte Droge. Schließlich gibt es in Deutschland schätzungsweise zwischen 168.000 und 282.000 Heroinabhängige, aber fast 18 Millionen Raucher.

Apokalyptische Gedankenspiele von alternierenden Zukunftsvisionen in der z. B. Heroin, Kokain und ähnliche harte Drogen völlig legalisiert wären, frei erhältlich in der Apotheke für Erwachsene ab 21 Jahren, natürlich steuerlich belastet, wären interessant! Wie würde sich in einer solchen Gesellschaft das Verhältnis Nikotin- und Heroinabhängige entwickeln? Würde es beweisen, dass Nikotin als Einstiegsdroge zu Marihuana und weiter zu Heroin, Kokain etc. ist, oder gäbe es dafür viel weniger Raucher, aber dafür eine etwas höhere Anzahl von Heroinabhängigen? Machen erst verbotene Früchte das Verlangen danach aus oder würde eine Legalisierung aller Drogen die Zahl Süchtiger senken? Bedeutet eine Legalisierung harter Drogen auch gleichzeitig das Verneinen der Wirkung dieser? Was würde passieren, wenn der Staat Nikotin auf die Liste harter Drogen setzen würde und Rauchen damit plötzlich illegal wäre, somit auch freiheitsstrafrechtlich verfolgt werden dürfte? Wie würde sich dann die Gesellschaft verändern?

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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren
bildquelle(n): suchtmittel.de

  1. siehe Kapitel Das Leben ist eine Suchmaschine, Seite 215-219, erschienen im Rowohlt Verlag, ISBN 978 3 498 02997 5 []

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