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TAG 037 – Raucher sind oscarverdächtig

“Raucher, die Rauchen als dumm betrachten, verstehen nicht, warum sie immer noch weiterrauchen, und glauben, wie ich früher, es liege entweder daran, dass sie zu Suchtverhalten neigen, etwas mit ihren Genen nicht stimmt oder Rauchen eine Gewohnheit ist und Gewohnheiten nur schwer abzulegen sind. Das sind jedoch keine Argumente, die für das Rauchen sprechen, sondern Ausreden, warum man es nicht schafft, aufzuhören.” Allen Carr

Raucher verpassen sich jeden Tag selbst eine eigene Gehirnwäsche, Hauptsache sie erreichen damit immer folgendes Ziel: sich wieder eine anstecken zu dürfen und nicht für immer mit dem Rauchen aufhören zu müssen.

Die Tragödie ist, dass Raucher einfach noch nicht die geniale Falle durchschaut haben in der sie da sitzen. Irgendwann fragen sie sich auch selbst, warum sie schon wieder eine anstecken müssen, obwohl sie schon alles wissen, was mit diesem Thema zu tun hat, sie sich bereits seit Jahren informieren und absolute Experten wären auf dem Gebiet des Nichtrauchens, obwohl sie selber immer noch Raucher sind. Wie kann das sein?

Der einzige Feind, den jeder Raucher hat ist seine eigene Nikotinbestie.

Sie ist der Grund, wieso Raucher immer noch rauchen, obwohl sie damit schon seit Jahren aufhören wollen. Sie ist der Grund, wieso sich Raucher zu den besten Lügner entwickeln, die man sich nur vorstellen kann. Es erfordert eine ungeheur hohe Intelligenz sich selbst zu belügen, obwohl einem sowohl das Gewissen und der Verstand dazu auch noch in vereinter Stimme sagt, dass man mit jeder Zigarette einen Fehler macht. Das eigene Gehirn auszutricksen erfordert einfach eine unglaublich hohe List und Schurkenmentalität. Das ist auch ein Grund warum ich denke, dass Raucher eher intelligente Menschen sind als dumme. Trotzdem wird sich wohl auch Einstein irgendwann die Frage nach dem Sinn des Rauchens gestellt haben. Auch Einstein hat sich eine eigene perfekte Argumentation zurechtgelegt, die völlig logisch, rational womöglich auch noch 100 % standfest war, wissenschaftlich begründet oder nicht, Hauptsache diese perfekte Argumentation erfüllt nur einen einzigen, den wichtigsten Grund, für jeden Raucher: sich die nächste Zigarette anmachen zu dürfen.

Dazu greifen Raucher auch zu Mitteln der Selbstverleugnung, des Irrglaubens, der Nichtbeachtung von Fakten, selbst der Fälschung von diesen nach dem Motto “Man glaubt, was gefällt”. Schlimm wird es wenn Raucher anfangen zu glauben, dass ihre Rauchersucht mit dem Rauchen ihrer Eltern zusammenhängt und dies womöglich bei einem selbst als genetische Weitergabe der Sucht ausgelegt wird. In der Tat ist es so, dass Neugeborene von heroinabhängigen Müttern ebenfalls unter Entzugserscheinungen leiden wie die Mutter. Das ist aber völlig logisch, schließlich ist das Kind 9 Monate lang durch die Nabelschnur an den Stoffwechsel der Mutter angedockt und nimmt sich zwar alle wichtigen Lebensgrundstoffe zum Wachstum aus dieser zeitlich begrenzten Symbiose heraus, aber leider eben auch die unwichtigen und gefährlichen. Ob Babys von rauchenden Müttern ebenfalls unter der gleichen Intensität der Entzugserscheinungen leiden nach der Entbindung wie die Mutter, darüber lässt sich vermutlich streiten. Noch unwahrscheinlicher wird es, dass sich das Kind infolge der Rauchersucht der Mutter später nach 14, 15 oder 18 Jahren deshalb zu einem Raucher/in entwickelt. Ich glaube, dass dieses Argument von Rauchern nicht haltbar und stichhaltig genug ist, sondern nur wieder als eine starke Ausrede herhalten muss nicht mit der Raucherei aufhören zu müssen. Dass rauchende Eltern keine guten Vorbilder diesbezüglich sind, darüber müssen wir nicht reden, das ist selbsterklärend. Kinder in ihrem Wachstum lernen am meisten durch Kopieren und Nachmachen ihrer ersten Bezugspersonen und Informationslieferanten, der Eltern. Ein Elternteil, das selbst vom Rauchen überzeugt ist, kann nicht glaubwürdig seinem Kind beibringen warum es später nicht rauchen sollte. Wie denn auch: mir hat meine nichtrauchende Mutter dasgleiche gepredigt und trotzdem habe ich später angefangen zu rauchen. Mein Vater war und ist immer noch starker Raucher, also war er mir in dieser Hinsicht kein gutes Vorbild.

Jeder Raucher verdient einen Oscar!Viel gefährlicher aber halte ich die Überzeugung der Raucher, sie würden nur aus Gewohnheit rauchen und könnten es ablegen wann immer sie wollen. Diese Gehirnwäsche ist dermassen stark und macht den Raucher zu einem perfekten Lügner. Um uns nicht falsch zu verstehen: ich kenne einsichtige Raucher, die mir in Gesprächen in allen Punkten bezüglich des Rauchens immer Recht geben und völlig konform gehen mit meiner Meinung über die Rauchersucht. Doch leider tun sie das schon seit Jahren und manchmal komme ich mir vor, dass ich auf den Arm genommen werde. Wie kann es sein, dass ein Raucher mir höchst glaubwürdig seine Einsicht über die Drogensucht verkauft, aber trotzdem seit Jahren überhaupt auch nicht im Geringsten daran denkt mit dem Rauchen aufzuhören. Ich treffe die gleichen Raucher nach Jahren wieder und dann höre ich entweder alte ausgelutschte Ausreden oder völlig neue Ausreden. Der Fantasie sind diesbezüglich keine Grenzen gesetzt. Den Großteil dieser Menschen finde ich extrem unterhaltend, witzig, interessant und bereichernd, aber die Tatsache, dass sie immer noch rauchen, obwohl sie scheinbar die Falle durchschaut haben, macht mich einerseits traurig und manchmal auch wütend. Denn: Wenn es ums Rauchen geht, sind Raucher die besten Schauspieler schlechthin und jeder sollte für seine Künste diesbezüglich mindestens einen Oscar verliehen bekommen.

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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren
bildquelle(n): nepi’s blog

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