Als ich kürzlich einen Arbeitskollegen auf mein neues Blogprojekt Novaplaneta hinwies und ihn aufforderte sich mit einer E-Mail-Abonnierung den kommenden Dienst rund ums Thema Rauchen nach Hause schicken zu lassen, meinte dieser belustigt, ob ich daran arbeiten würde eine neue Sekte zu gründen. In der Tat klingt der Name und die designerische Aufmachung des Blogs Novaplaneta ein wenig nach Sekte. Auch mein Banner “Ab 2010 beginnt dein neues Leben” mit der blauen Weltkugel klingt missionarisch und weltverbesserisch, obwohl ich weit davon entfernt bin ein religiöser Fanatiker zu sein.
Wenn du z.B. den Begriff Heaven’s Gate in die Google-Suchmaschine einhämmerst, bekommst du Informationen von Klettertour-Anbietern über Musikbands und Wellness-Oasen bis hin zu Filminfos und FKK-Singleclubs.
Laut Wikipedia war Heaven’s Gate aber auch der Name eines US-amerikanischen Ufoglaubens, der von Marshall Applewhite und Bonnie Nettles geführt wurde.
Der kollektive Selbstmord der meisten Gruppenmitglieder während des Erscheinens des Kometen Hale-Bopp erregte 1997 weltweit großes Aufsehen. Applewhite überzeugte 38 seiner Anhänger zum gemeinsamen Suizid als Weg dazu, ihre Seelen auf eine Reise in ein Raumschiff zu schicken. Das Raumschiff sollte sich angeblich hinter dem Kometen befinden.
Was ist aber der Unterschied zwischen Novaplaneta und Heaven’s Gate oder anderen Sekten und Kults?
Weder bin ich ein Halbgott, Guru noch ein Sektenleader, der verzweifelt versucht das menschliche Geschlecht mit aller Gewalt und Macht zu ändern, noch bin ich der Begründer einer neuen Lifestyle-Bewegung. Ich bin lediglich der Blogmaster von Novaplaneta, der über den täglichen Raucher-Wahnsinn schreibt und sich auf seine eigentümliche Art und Weise mit diesem (un)sozialen Vorkommnis auseinandersetzt. Mein Marketing muss ein wenig prophetisch und provozierend sein, denn ich versuche damit den Raucher aus seiner verinnerlichten Geistesstarre im Hinblick auf seine akzeptierte Drogen- und Nikotinsucht hervorzulocken.
Im Gegensatz zum Heaven’s Gate-Kult versuche ich nicht Menschen dazu zu bewegen an das Ende der Welt zu glauben, Ausserirdische und Ufos zu verehren oder ihre religiöse Weltanschauung zu erschüttern. Ich nehme mir aber das Recht heraus zu behaupten, dass wenn du eines Tages das Rauchen aufgibst und deine Nikotin-Dämonen und Gargoyles besiegst, du ein völlig neues Leben beginnst, zwar immer noch auf dem gleichen Planeten lebst mit den gleichen Freuden und Ängsten, aber in einer anderen Dimensions-und Verständnisebene. Du wirst das Rauchen mit völlig neuen Augen betrachten und alt-neue Dinge viel intensiver und eindringlicher erleben.
Solltest du aber wie mein werter Kollege ein verbitterter Raucher sein, so frage dich lieber ob du nicht selbst mit deiner Raucherei einen leisen aber effektiven Suizid begehst und die Zigarette zu einem alles beherrschenden Götzen deines Alltages erhoben hast. Jede Stunde bewegt er dich dazu, alles stehen und liegen zu lassen, egal wie wichtig die Tätigkeit oder das augenblickliche Ereignis sind, nur um sich eine seiner übelriechenden Utensilien anzustecken, in den Mund zu schieben und wie wahnsinnig daran zu ziehen, bis er seine gifitigen Gase in deiner Lunge ausbreitet und dir für einen kurzen Augenblick ein vermeintliches Gefühl von Genuss und Entspannung anbietet um den vor einigen Minuten selbstverursachten Mängelerscheinungs-Stress zu beseitigen. Dein gesamtes Leben und Gedankenwelt drehen sich um diesen furchtbar hinterhältigen Nikotinteufel, der dir fast keine Wahl mehr lässt anders zu handeln.
Frage dich also ganz ehrlich an dieser Stelle, wer sich von uns zweien eher in einem sektenähnlichen Trancezustand befindet?
Jetzt ist die Zeit gekommen sich mit der Drogensucht auseinanderzusetzten und sich nicht vor der Angst des Aufhörens einlullen zu lassen. Wie mein Arbeitskollege will jeder Raucher irgendwann mit dem Nikotinkonsum aufhören, der Raucher fürchtet aber das Vakuum, das entstehen könnte in allen Lebensbereichen und -augenblicken in denen er seine Lebenszeit mit dem Rauchen verbra(u)cht hat. Die einzige und alleinige Wahrheit, die ich dir an dieser Stelle im Hinblick auf das Rauchen verkünden kann und darf, ist: Das Vakuum gibt es gar nicht! Es ist nur die perfekte Illusion des Nikotingötzen, die dich diesen Zustand nach dem Aufhören vermuten lässt.
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textquelle(n): allen carrs “nichtraucher-tagebuch“, 365 unterstützende gedanken, taschenbuch 365 seiten, mosaik bei goldmann verlag, isbn-13: 978-3-442-16682-4, tagebuch-gedanken kostenlos per e-mail abonnieren
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